Die meisten Menschen müssen sich sehr selten mit dem Thema Verbandsmaterial auseinandersetzen. Glücklicherweise! Doch nicht nur Ärzte und medizinisches Personal sollten immer einen kleinen Vorrat in der Hausapotheke haben. Auch für die Hausapotheke ist es mehr als ratsam, immer entsprechendes Verbandsmaterial vorrätig zu haben. Für das Auto ist ein Kfz-Verbandskasten sogar vorgeschrieben.
Kleine Verletzungen passieren ohne Voranmeldung. Im Notfall sollte schnell etwas zur Hand sein, um eine Schnittverletzung oder eine andere kleine Wunde zumindest notdürftig zu verbinden. Nicht immer ist es mit einem einzigen Pflaster getan. Manchmal sind eine separate sterile Wundauflage und geeignetes Befestigungsmaterial erforderlich, um einem Wundverband anzulegen. Neben Wunden, gibt es natürlich noch viele andere Verletzungen, für welche ein entsprechendes Verbandmaterial unabdingbar ist.
Hier erfahren Sie mehr über unterschiedliche Verbandsmaterialien und was in einen Verbandskasten für das Auto gehört.

Verbandsmaterial – Arten und Anwendungsgebiete

Im Folgenden werden verschiedene Verbandsmaterialien und deren Anwendungsbereich erklärt.

Pflaster

Die Kombination aus Wundauflage und auf der Haut haftendem Befestigungsmaterial für kleine Verletzungen hat viele Namen. Pflaster, Pflasterstrips und Heftpflaster sind die gebräuchlichsten darunter. Eine eher offizielle Bezeichnung ist Wundschnellverband. Besonders beliebt sind die vorgefertigten Pflasterstrips, die es in unterschiedlichen Größen und Ausführungen gibt. Auspacken, Schutzstreifen abziehen und aufkleben. Das war’s. Das klassische Pflaster ist dagegen ein langer Streifen, von dem man sich bei Bedarf ein passendes Stück abschneiden kann.

Mullbinden

Dabei handelt es sich meist um eine Rollbinde, mit der man Wunden verbinden kann. Mullbinden selbst sind nicht steril, sie dienen nur zur Befestigung der tatsächlichen Wundauflage. Mullbinden sind ein beliebtes Verbandsmaterial aus einer Zeit, in der es kaum elastische Binden gab. Nachdem die Wunde mit einer sterilen Wundauflage abgedeckt wurde, wird die Mullbinde zur Fixierung darum gewickelt. Abschließend wird die Binde selbst mit einem Knoten, Klebestreifen oder einer Klammer fixiert.

Kompressen

Eine Kompresse ist ein klassisches Verbandsmaterial, das auf eine Wunde aufgebracht wird, um durch Druck eine Blutung zu stillen. Durch eine Kompresse wird die Wunde auch gegen das Eindringen von Schmutz oder anderen Fremdstoffen geschützt. Eine Kompresse kann aus Mull oder Vliesstoff sein. Auch ein gefaltetes Tuch eignet sich für diesen Zweck. In Verbandskästen befinden sich bereits fertig zurechtgeschnittene sterile Kompressen.

Wundgaze

Bei einer trockenen Wundbehandlung besteht die Gefahr, dass die Wunde durch den Heilungsprozess beginnt, mit der Kompresse zu verwachsen. Beim Wechseln des Verbandes entstehen dann starke Schmerzen für den Patienten. Um dieses Problem zu reduzieren, wird imprägnierte Wundgaze zwischen die Wunde und die Kompresse platziert.

Polsterwatte / Verbandwatte

Feinfaserige Baumwolle wird durch spezielle Produktionsschritte besonders saugfähig gemacht. Als Verbandwatte oder Polsterwatte wird sie bei der Wundbehandlung eingesetzt. Sie nimmt Flüssigkeiten und Blut leicht auf und kann daher bei der Reinigung einer Wunde verwendet werden. Falls erforderlich lässt sich der Wundverband noch stabiler machen, zum Beispiel als Polster zwischen Kompresse und äußerem Verbandsmaterial.

Wundverband

Als Wundverband wird die Kombination aus unterschiedlichem Verbandsmaterial bezeichnet, mit dem eine Verletzung verbunden wird. Dazu gehört beispielsweise sterile Wundgaze, die direkt mit der Wunde in Verbindung kommt, und weitere sterile Materialien. Darüber kommt oft eine Kompresse, um den Blutfluss zu stoppen und schließlich eine Binde, die den Verband an der Verletzungsstelle fixieren soll.

Augenverband

Ein Augenverband oder Augenpflaster ist ein kombinierter Verband zur Abdeckung des Auges bei einer Verletzung oder Erkrankung. Der Pflasterverband hat meist einen selbstklebenden Teil, um auf der Gesichtshaut um das Auge herum aufgeklebt zu werden. Meist sind Augenverbände lichtundurchlässig. Es gibt aber auch Varianten, die Licht durchlassen.

Gipsbinden

Nach einem Knochenbruch wird durch den Arzt oft ein Gipsverband angelegt. Damit werden die betroffenen Gliedmaßen ruhig gestellt und stabilisiert. Dazu wird die Stelle mit feuchten Gipsbinden umwickelt, die innerhalb weniger Minuten aushärten. Nach einigen Stunden ist der Gipsverband voll belastbar und wird erst dann wieder abgenommen, wenn der Bruch ausgeheilt ist.

Schlauchverband

Bei einem Schlauchverband handelt es sich um ein Verbandsmaterial, mit dem eine Verletzung an Fingern schnell und einfach verbunden werden kann. Fertige Fingerschnellverbände haben teilweise eine keimfreie Wundauflage, angepasst an die Größe des Fingers. Es kann aber auch eine einfache Schlauchbinde sein, die in der Lage ist, separate Wundauflagen zu fixieren.

Zinkleimverband

Verbände, getränkt mit einer Paste aus Zinkoxid und Bindemitteln, werden um ein geschwollenes Körperteil gewickelt. In der Orthopädie und der Sportmedizin werden mit einem Zinkleimverband Schwellungen behandelt oder man versucht ihnen vorzubeugen.

Dreieckstuch

Dieses Verbandsmaterial ist in Deutschland Bestandteil eines Erste-Hilfe-Kastens. Es ist nicht steril, soll die Wunde also nicht direkt abdecken, aber man kann damit Verbände an verschiedenen Körperstellen schnell und einfach fixieren. Die Enden des Tuchs lassen sich leicht verknoten.

Schaumverband

Schaumverbände kommen bei der feuchten Wundbehandlung zum Einsatz. Bei Wunden, die stark nässen, kann ein Schaumverband durch seine Saugfähigkeit eine große Menge an Flüssigkeit aufnehmen. Das frische Gewebe auf der Wunde wird gut durch Druckeinwirkung von außen geschützt. Auch Infektionen der Wundstelle werden unterdrückt.

Verbandskasten und Zubehör

Welches Verbandsmaterial und weitere Zubehör in einen Kfz-Verbandskasten gehören, ist für Deutschland in der DIN 13164 festgelegt. Die Norm regelt im Detail, welche und wie viele Pflaster, Verbandpäckchen, Fixierbinden, Kompressen und mehr in dem Erste-Hilfe-Kasten enthalten sein müssen. Wenn es zu einem Umfall mit Verletzungen kommt, soll der Fahrer schließlich in der Lage sein, sich selbst, einen Beifahrer oder auch einen anderen Verkehrsteilnehmer notdürftig zu versorgen. Zumindest bis der Rettungsdienst eintrifft oder bei leichten Verletzungen selbst der Arzt aufgesucht werden kann.

Den Erste-Hilfe-Kasten muss sich kein Autofahrer selbst zusammenstellen. Fertig gepackte Kästen sind in Apotheken und im Kfz-Zubehör-Handel erhältlich. Als Autofahrer sollte man aber regelmäßig prüfen, ob der Inhalt noch zeitgemäß ist. Mit veraltetem oder nicht mehr gut verpacktem Verbandsmaterial kann man im Notfall auch Schaden anrichten. Auch der Kauf von sinnvollen Nachfüllsets ist empfehlenswert. Zwar enthält der Verbandskasten eine Kleiderschere zum Aufschneiden der Kleidung eines Verletzten. Aber eine Verbandschere und Verbandklammern fehlen meist, sind aber hilfreiches Zubehör.

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